Die Menschen sind das Herz einer Pfarrei

Ihr grasgrünes Velo bringt Judith Grüter-Bachmann in die Pfarreien St. Anton · St. Michael. Gut 45 Minuten ist sie zur Arbeit unterwegs. Vor zwei Jahren hat sie ihre Ausbildung zur Pfarreiseelsorgerin begonnen und schliesst diese nun ab. Was für sie wertvoll ist in ihrer Arbeit, erzählt sie in ihrem Beitrag aus dem Alltag.

Während der Velofahrt kann Judith Grüter-Bachmann ihren Gedanken nachhängen. Foto: zvg

So vielseitig meine Aufgaben in den Pfarreien St. Anton · St. Michael sind, so abwechslungsreich erlebe ich meine Arbeitstage als Pfarreiseelsorgerin. Wohltuend gleich bleibt mein Start in den Tag. Nach dem Frühstück fahre ich in Urswil von unserem Bauernhof mit dem Velo Richtung Pilatus los. Anfänglich bin ich meistens alleine unterwegs. Nach etwa 20 Minuten ändert sich dies und andere Zweiradfahrende begleiten mich auf meinem Weg ins St. Anton, ab dem Bundesplatz ergänzt durch Fahrzeuge mit vier und mehr Rädern. Hellwach komme ich in meinen beiden Pfarreien an. Ein liebgewordenes Ritual ist mein Gang über die BruderKlaus-Kapelle des St. Anton. Hier lege ich bewusst einen kurzen Halt der Stille ein. Dieser Moment ist für mich meistens der letzte Moment in meinem Berufsalltag, in dem meine Gedanken noch ruhig sind. Via Hintertüren erreiche ich gestärkt mein Büro.

Im Büro – zeitintensiv, aber wichtig

Vor meinen Bildschirmen beantworte und schreibe ich zuerst Mails, erledige liegengebliebene Pendenzen, gehe noch einmal eine Feier oder einen geschriebenen Text für das Pfarreiblatt durch. Gerne lasse ich mich dabei von Telefongesprächen, Fragen von Mitarbeitenden und anderen wichtigen Dingen unterbrechen. Anschliessend starte ich in die eigentlichen Büroarbeiten, fahre mit dem Velo für eine Abdankungsfeier ins Friedental, nehme an einer Sitzung teil, bereite den Krabbeltreff oder eine gleich stattfindende Feier vor. Einmal hat mich ein Ministrant, den ich vor unserem Pfarreigebäude auf seinem Schulweg angetroffen habe, gefragt, was ich in meinem Büro mache. Gut erinnere ich mich an diese Frage, weil ich nicht sofort darauf antworten konnte. Die vielfältigen Büroarbeiten sind für mich ein wichtiger Teil meiner Arbeit.

Ich bereite mich bewusst zeitintensiv auf Feiern und Anlässe der Familienpastoral und der Ministrantenarbeit vor, weil ich die Menschen in den Feiern und bei den Anlässen inspirieren und sie zum Denken anregen möchte. Ein Beispiel für diese Tätigkeit ist die exegetische Auseinandersetzung mit der Bibel. In der spannenden Übersetzungsarbeit der alten Texte in unsere Zeit und in unser Leben lasse ich mich gerne von ihnen überraschen und beflügeln.

Texte fordern mich aber auch in der Redaktionsarbeit unserer Pfarreiblattseiten heraus. Hier kann ich auf wertvolle Teamarbeit zählen. Neben dem produktiven Miteinander mit dem Sekretariat erhalte ich bei Unklarheiten hilfreiche Antworten auf meine Fragen. Schöne Begegnungen erlebe ich jeweils dienstags und donnerstags durch die Teilnehmenden des Krabbeltreffs. Beschenkt und überrascht werde ich dabei vor allem von den Kindern durch ihr Lachen, ihre leuchtenden Augen und offenen Armen. Auch die erfahrene Wertschätzung der Eltern für dieses Angebot schenkt mir viel Freude.

Begegnungen auf Augenhöhe

Das Wichtigste in meiner Arbeit und die Motivation für meine Ausbildungszeit sind die Menschen und ihr Leben. Dieses Interesse führt mich zu ihnen. In authentischen Begegnungen auf Augenhöhe kann ich auf ihre Fragen eingehen und gemeinsam nach Antworten suchen. In dieser Art Weitergabe des Glaubens wird auch mein Glaube bereichert. Beschenkt werde ich im Dasein für alle Altersgruppen. Die Kommunikation ist dabei sehr vielfältig. In manchen Situationen helfen keine Worte, dann ist das Dasein wertvoll und trägt, bis Worte wieder ihren Sinn bekommen.

Verschiedene Menschen – ein Team

Wertvoll in meiner Arbeit ist auch die Teamarbeit. Nicht nur die Mitarbeitenden der Pfarreien, sondern auch die vielen Ehrenamtlichen sind ein Teil davon. Diese Gruppen sind für mich das Herz einer Pfarrei. Ohne diese geleisteten Arbeiten ist eine Pfarrei nicht lebendig. Leider finden wir immer weniger Menschen, die ihre Zeit für solche Einsätze unserer Pfarrei schenken. Dies ist für mich eine der grössten Sorgen in Bezug auf die Zukunft unserer Kirche. Unsere noch heute bestehende lebendige Religionsgemeinschaft kann nur mit dieser wertvollen Unterstützung erhalten bleiben. Im Bereich der ehrenamtlichen Gruppen darf ich mit Frauen, Männern und Kindern der Krippenfiguren, der Räbeliechtlianlässe, des Palmbaumbindens, der Frauenliturgie und als Präses bei den Ministrant:innen unterwegs sein. Sitzungen mit ihnen finden meistens am Nachmittag oder am Abend statt.

Reich beschenkt durch viele Begegnungen und im Wissen, sinnvolle Arbeit geleistet zu haben, steige ich am Ende meines Arbeitstags auf mein Velo. Ich geniesse es, dabei meinen Gedanken nachzuhängen. Und so kann es passieren, dass mir ein entgegenkommender Velofahrer zuruft: «Besch am Träumä?», und ich dies für mich schmunzelnd mit Ja beantworte.


Zur Person

Judith Grüter-Bachmann (52) aus Urswil hat den Beruf der Pflegefachfrau (HF) erlernt und als Katechetin gearbeitet. Im Rahmen des Bischöflichen Studienprogramms konnte sie das Theologiestudium ohne Matura absolvieren. Der Abschluss mit dem Bischöflichen Diplom berechtigt zur Tätigkeit in der Seelsorge. Sie hat ihre zweijährige Berufseinführung in den Pfarreien St. Anton · St. Michael gemacht und wird ab November in der Pfarrei in Hünenberg tätig sein.

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